An einer großen Kreuzung kann ein einziger Abbiegevorgang mehrere Fahrstreifen berühren und damit schnell unübersichtlich werden. Entscheidend ist, ob Richtungspfeile und Markierungen ein paralleles Abbiegen vorgeben oder ob nach dem Einbiegen tatsächlich ein Spurwechsel stattfindet. Ich zeige, wie Sie sich richtig einordnen, welche Regeln für Rechts- und Linksabbieger gelten und welche Fehler besonders häufig zu gefährlichen Situationen führen.
Die Spur vor der Kreuzung entscheidet über das sichere Abbiegen
- Richtungspfeile und Fahrbahnmarkierungen haben Vorrang vor pauschalen Faustregeln.
- Beim parallelen Abbiegen bleibt jedes Fahrzeug grundsätzlich auf seiner zugeordneten Spur.
- Ein Abbiegevorgang gewährt keinen automatischen Vorrang gegenüber Fußgängern, Radfahrern oder dem fließenden Verkehr.
- Wer nach dem Einbiegen die Spur wechselt, muss blinken und den Vorrang des bereits dort fahrenden Verkehrs beachten.
- Bei unklarer Führung ist langsames, hintereinander ausgeführtes Abbiegen meist die sicherere Entscheidung.

Mehrspuriges Abbiegen sicher einordnen
Von einem mehrspurigen Abbiegevorgang spricht man, wenn mehrere Fahrstreifen in dieselbe Richtung führen und Fahrzeuge gleichzeitig oder nacheinander in eine Straße mit mehreren Fahrstreifen einbiegen. Ein typisches Beispiel sind zwei Rechtsabbiegespuren, die in eine zweispurige Hauptstraße führen. Technisch handelt es sich bei einem Fahrstreifen um den Bereich der Fahrbahn, den ein mehrspuriges Fahrzeug zum ungehinderten Fahren benötigt.
Die Straßenverkehrs-Ordnung enthält keine einzige Sonderregel, die jede denkbare Kreuzung abschließend beschreibt. Maßgeblich sind deshalb § 9 StVO, die Verkehrszeichen, Richtungspfeile, Leitlinien und die konkrete Gestaltung der Kreuzung. Ampeln und Vorfahrtzeichen legen zuerst fest, wer fahren darf. Erst danach stellt sich die Frage, auf welchem Zielstreifen das Fahrzeug landen muss.
Ich halte eine einfache Grundregel für besonders hilfreich. Wenn mehrere Abbiegespuren durch Pfeile ausdrücklich für dieselbe Richtung freigegeben sind, soll der Verkehr den vorhandenen Raum nutzen. Die Fahrzeuge fahren dann möglichst parallel und behalten ihre Spur. Der ganz rechts fahrende Abbieger darf also nicht automatisch nach dem Abbiegen über alle Fahrstreifen hinweg nach links ziehen.
Eine Spur führt auf mehrere Zielstreifen
Beginnt der Abbiegevorgang auf nur einem Fahrstreifen und ist die Straße hinter der Kreuzung breiter, kann der Fahrer grundsätzlich einen geeigneten freien Zielstreifen wählen. Dabei darf er jedoch weder andere Fahrzeuge schneiden noch den Vorrang des Verkehrs auf der Zielstraße missachten. Muss er nach dem Einbiegen eine markierte Spur überqueren, ist das als Spurwechsel mit besonderer Sorgfalt zu behandeln.
Mehrere Abbiegespuren führen auf mehrere Zielstreifen
Sind zwei oder mehr Abbiegespuren mit passenden Richtungspfeilen versehen, bleibt die Zuordnung während des gesamten Bogens erhalten. Der linke Abbieger fährt in den linken Zielstreifen, der rechte in den rechten. Diese Führung verhindert, dass sich die Fahrzeuge in der Kreuzungsmitte kreuzen oder beim Herausfahren gegenseitig behindern.
So ordnen Sie sich vor der Kreuzung richtig ein
Die richtige Einordnung beginnt nicht erst beim Lenken, sondern bereits einige Sekunden vor der Haltelinie. Prüfen Sie frühzeitig die Pfeile auf der Fahrbahn, die Beschilderung und den Verkehr neben Ihnen. Ein später Spurwechsel unmittelbar vor der Kreuzung schafft oft mehr Risiko, als er Zeit spart.
Beim Rechtsabbiegen
Wer rechts abbiegen will, muss sich grundsätzlich möglichst weit rechts einordnen und den Fahrtrichtungsanzeiger rechtzeitig setzen. Gibt es mehrere markierte Rechtsabbiegespuren, wählen Sie die Spur, deren Pfeil zu Ihrem Fahrziel passt. Die äußerste rechte Spur ist nicht automatisch die beste Wahl, wenn Sie unmittelbar nach der Kreuzung links abbiegen müssen und die Markierung eine andere Führung erlaubt.
Besonders wichtig ist der Blick nach rechts. Radfahrer können auf einem Radfahrstreifen oder Schutzstreifen geradeaus weiterfahren, während ein Fahrzeug abbiegt. Fußgänger und Radfahrer, die die einmündende Straße überqueren, müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Für Kraftfahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse von mehr als 3,5 Tonnen gilt innerorts unter bestimmten Bedingungen beim Rechtsabbiegen Schrittgeschwindigkeit, etwa wenn mit geradeaus fahrendem Radverkehr oder querenden Fußgängern zu rechnen ist.
Beim Linksabbiegen
Beim Linksabbiegen ordnen Sie sich grundsätzlich zur Fahrbahnmitte hin ein. Gibt es mehrere Linksabbiegespuren, zeigen Richtungspfeile und Leitlinien, welche Spur für welchen Zielstreifen vorgesehen ist. Während des Abbiegebogens sollten Sie nicht plötzlich die Spur wechseln, um eine vermeintlich günstigere Position zu erreichen.
Zusätzlich müssen Sie den Gegenverkehr, querende Fußgänger und Radfahrer sowie Fahrzeuge auf der Vorfahrtstraße beachten. Ein grüner Abbiegepfeil bedeutet nicht, dass die Kreuzung ohne Kontrolle durchfahren werden darf. Er erlaubt die Fahrt nur unter Beachtung der übrigen Verkehrsteilnehmer.
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Die wichtigsten Hinweise auf einen Blick
| Situation | Richtiges Verhalten |
|---|---|
| Eine Abbiegespur, mehrere Zielstreifen | Einen geeigneten freien Streifen wählen und andere Verkehrsteilnehmer nicht behindern. |
| Mehrere Abbiegespuren mit Pfeilen | Die zugeordnete Spur beibehalten und parallel abbiegen. |
| Keine eindeutige Markierung | Besonders langsam und defensiv fahren, bei Bedarf hintereinander abbiegen. |
| Spurwechsel nach dem Abbiegen | Blinken, Spiegel und toten Winkel prüfen und den Verkehr auf der Zielspur durchfahren lassen. |
Warum Richtungspfeile mehr bedeuten als eine Empfehlung
Ein Richtungspfeil auf der Fahrbahn zeigt nicht nur eine mögliche Fahrtrichtung an. Er ordnet den Fahrstreifen dem entsprechenden Verkehrsstrom zu. Wer von einer markierten Rechtsabbiegespur kommt, darf deshalb nicht ohne Weiteres den gesamten Kreuzungsbereich diagonal durchqueren.
Das gilt auch dann, wenn die rechte Zielspur scheinbar frei ist. Bei ausdrücklich angeordnetem parallelem Abbiegen sollen die Fahrzeuge ihre jeweilige Linie fortsetzen. Der Bundesgerichtshof hat diese praktische Bedeutung der markierten Spurführung für das parallele Rechtsabbiegen bestätigt. Der rechte Abbieger besitzt in solchen Fällen nicht automatisch freie Fahrstreifenwahl.
Fehlen Richtungspfeile, Leitlinien oder andere eindeutige Hinweise, lässt sich die Situation nicht mit einem einzigen Standardsatz lösen. Dann zählen die Fahrbahnbreite, die Stellung der Fahrzeuge, die Verkehrslage und die erkennbare Absicht der Beteiligten. Ich würde in einer unübersichtlichen Lage nie darauf vertrauen, dass der andere Fahrer meine gedachte Linie schon verstehen wird.
Was nach dem Einbiegen häufig falsch läuft
Viele Konflikte entstehen nicht in der eigentlichen Kurve, sondern direkt danach. Ein Fahrzeug kommt korrekt auf seinem Zielstreifen an und wechselt wenige Meter später ohne ausreichende Kontrolle nach links oder rechts. Das ist ein eigenständiger Spurwechsel, für den die Regeln des § 7 Absatz 5 StVO gelten.
- Zu spät blinken: Der Blinker muss die Absicht ankündigen, nicht erst das bereits begonnene Manöver begleiten.
- Die Kurve abkürzen: Wer aus der linken Abbiegespur zu eng fährt, kann in den Weg des rechten Fahrzeugs geraten.
- Die freie Spur erzwingen: Eine freie Zielspur bedeutet nicht automatisch, dass sie ohne Rücksicht auf andere erreicht werden darf.
- Den Schulterblick auslassen: Gerade neben Transportern, Bussen und Lastwagen bleiben Fahrräder leicht im toten Winkel.
- Nur auf das eigene Navigationsziel achten: Die gewünschte nächste Abfahrt rechtfertigt keinen riskanten Spurwechsel unmittelbar hinter der Kreuzung.
Ein praktischer Ablauf hilft mehr als komplizierte Merksätze. Ich suche zuerst die richtige Abbiegespur, setze den Blinker, kontrolliere Spiegel und Seitenbereich und fahre dann mit gleichmäßiger Geschwindigkeit durch den vorgesehenen Bogen. Erst wenn das Fahrzeug stabil auf dem Zielstreifen steht, entscheide ich über einen weiteren Spurwechsel.
Besondere Vorsicht bei großen Fahrzeugen und engen Kreuzungen
Busse, Lastwagen und Fahrzeuge mit Anhänger benötigen beim Abbiegen deutlich mehr Seitenraum. Ihre Hinterräder laufen in der Kurve nach innen, ein Effekt, der als Schleppkurve bezeichnet wird. Ein Fahrzeug neben dem Lkw kann deshalb trotz scheinbar ausreichendem Abstand gefährdet sein.
Auch Taxen und Lieferfahrzeuge sollten nicht unmittelbar vor einer Kreuzung aus einer Abbiegespur herausgezogen werden, nur um eine Halteposition oder eine bestimmte Zielstraße zu erreichen. Wenn die Markierung eine andere Richtung vorgibt, ist es sicherer, der vorgesehenen Verkehrsführung zu folgen und später kontrolliert zu wenden oder den nächsten geeigneten Abzweig zu nutzen.
Bei schlechter Sicht, Regen, Schnee oder dichtem Gegenverkehr sollten Sie die Geschwindigkeit deutlich reduzieren. Die StVO verlangt beim Abbiegen ohnehin eine besondere Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer. Langsamer zu fahren ist hier keine Unsicherheit, sondern eine angemessene Reaktion auf eingeschränkte Sicht und komplexe Spurführung.
Die sichere Leitlinie für unklare Abbiegesituationen
Wenn Pfeile und Markierungen eindeutig sind, bleiben Sie beim parallelen Abbiegen auf Ihrem zugeordneten Fahrstreifen. Gibt es keine klare Führung, fahren Sie defensiv, vermeiden Sie ein erzwungenes Nebeneinander und wechseln Sie erst nach gründlicher Kontrolle die Spur.
Die wichtigste Gewohnheit besteht darin, den Abbiegevorgang in zwei Abschnitte zu teilen. Zuerst fahren Sie sauber durch die Kreuzung, danach beurteilen Sie die Situation auf der neuen Straße. Wer diese wenigen Sekunden Geduld aufbringt, reduziert das Risiko von Kollisionen mit Fahrzeugen, Fahrrädern und Fußgängern erheblich.