Linksabbiegen im Gegenverkehr - Wer fährt zuerst?

Uli Hohmann .

30. Juli 2026

Zwei Autos biegen an einer Kreuzung voreinander ab. Ein Auto fährt geradeaus, das andere biegt links ab.

Zwei Fahrzeuge kommen sich an einer Kreuzung entgegen, beide wollen nach links abbiegen, und plötzlich ist unklar, wer zuerst fährt. In Deutschland gibt es dafür eine klare Grundregel: Die Fahrzeuge biegen in der Regel voreinander ab, müssen dabei aber Gegenverkehr, Radfahrende und zu Fuß Gehende besonders aufmerksam beachten. Dieser Beitrag zeigt, wie das Manöver funktioniert, wann eine Ausnahme gilt und welche Fehler im Alltag besonders häufig sind.

Die wichtigsten Regeln für das Linksabbiegen im Gegenverkehr auf einen Blick

  • Grundregel: Zwei entgegenkommende Linksabbieger fahren normalerweise voreinander vorbei.
  • Ausnahme: Die Kreuzung oder die Verkehrslage kann ein Abbiegen hintereinander verlangen.
  • Vorrang: Wer geradeaus fährt oder rechts abbiegt, muss vom Linksabbieger zuerst durchgelassen werden.
  • Sicherheit: Blinken, Einordnen und der Blick auf den nachfolgenden Verkehr bleiben Pflicht.
  • Schutz: Radfahrende und zu Fuß Gehende dürfen beim Abbiegen nicht gefährdet oder unnötig behindert werden.

Zwei Autos, rot und blau, biegen voreinander ab. Ein Ampelsignal zeigt grün.

Was „voreinander abbiegen“ an der Kreuzung bedeutet

Die Regel steht in § 9 Absatz 4 StVO. Wollen zwei entgegenkommende Fahrzeuge jeweils nach links abbiegen, sollen sie grundsätzlich so fahren, dass ihre linken Fahrzeugseiten aneinander vorbeiführen. Beide biegen also in einem weiten, leicht diagonalen Bogen ab und gelangen anschließend in die jeweils rechte Fahrspur der neuen Straße.

Ich merke in der Praxis immer wieder, dass viele Fahrer das Manöver mit einem Abbiegen hintereinander verwechseln. Beim tangentialen Abbiegen, wie diese Fahrweise auch genannt wird, bleiben die Fahrzeuge einander gegenüber sichtbar. Das spart Zeit und verhindert, dass die Kreuzung unnötig lange blockiert wird.

Die Regel gilt allerdings nur, wenn die Verkehrslage und die Gestaltung der Kreuzung dieses Manöver zulassen. Fahrbahnmarkierungen, Mittelinseln, Straßenbahngleise oder eine enge Einmündung können eine andere Fahrlinie erforderlich machen.

So läuft das Manöver Schritt für Schritt ab

Wer links abbiegen möchte, muss den Abbiegevorgang rechtzeitig und deutlich ankündigen. Dazu gehört der Blinker ebenso wie das korrekte Einordnen. Auf einer gewöhnlichen Straße wird das Fahrzeug möglichst bis zur Fahrbahnmitte geführt, ohne dabei den Gegenverkehr oder vorhandene Gleise zu behindern.

  1. Frühzeitig blinken und den nachfolgenden Verkehr beobachten.
  2. Zur Mitte einordnen, sofern Fahrbahn und Markierungen das erlauben.
  3. Gegenverkehr prüfen, besonders Fahrzeuge, die geradeaus fahren oder rechts abbiegen.
  4. Bei zwei Linksabbiegern langsam in den Kreuzungsbereich fahren und voreinander vorbeiführen.
  5. Beim Einbiegen auf Radfahrende, Fußgänger und Fahrzeuge auf der neuen Straße achten.

Entscheidend ist nicht, möglichst schnell in die Kreuzung zu fahren. Ich halte es für viel sinnvoller, den Blickkontakt und die Fahrbewegung des anderen Fahrers einzuschätzen. Fährt der entgegenkommende Wagen zögerlich oder ist die Sicht versperrt, sollte man warten, statt auf die theoretische Vorfahrt zu vertrauen.

Der richtige Abbiegebogen

Der Abbiegebogen darf nicht so eng sein, dass das Fahrzeug die Kurve schneidet und in die falsche Spur gerät. Nach dem Abbiegen sollte man sich grundsätzlich in den rechten Fahrstreifen einordnen, sofern keine andere Markierung oder besondere Verkehrslage gilt.

Bei großen Fahrzeugen, Anhängern oder engen Kreuzungen reicht der Platz oft nicht für ein sauberes paralleles Vorbeifahren. Dann ist langsames Fahren besonders wichtig. Ein kurzer Halt ist besser als ein Kontakt mit dem entgegenkommenden Fahrzeug.

Wer zuerst fahren darf und wann der Linksabbieger warten muss

Das parallele Abbiegen zweier Linksabbieger bedeutet nicht, dass ein Linksabbieger automatisch Vorrang vor jedem anderen Verkehr hat. Wer links abbiegt, muss entgegenkommende Fahrzeuge durchfahren lassen. Das betrifft insbesondere den Gegenverkehr, der geradeaus fährt oder nach rechts abbiegt.

Verkehrssituation Wer muss warten? Worauf kommt es an?
Beide Fahrzeuge biegen links ab Normalerweise keiner grundsätzlich Voreinander abbiegen, sofern Kreuzung und Verkehrslage es zulassen
Ein Fahrzeug fährt geradeaus, das andere links Der Linksabbieger Geradeaus fahrender Gegenverkehr hat Vorrang
Ein Fahrzeug biegt rechts, das andere links Der Linksabbieger Das rechts abbiegende entgegenkommende Fahrzeug zuerst durchlassen
Radfahrende oder Fußgänger kreuzen die Abbiegespur Das abbiegende Fahrzeug Besondere Rücksicht nehmen und nötigenfalls warten

Bei einer Ampel müssen zusätzlich die Lichtzeichen beachtet werden. Ein grünes Signal erlaubt das Abbiegen nicht rücksichtslos, sondern nur unter Beachtung der übrigen Regeln. Besonders bei gleichzeitig freigegebenen Fuß- und Radquerungen liegt die Verantwortung beim Abbiegenden.

Wann das Abbiegen hintereinander richtig ist

Die Grundregel hat eine wichtige Einschränkung. Müssen die Fahrzeuge wegen der Gestaltung der Kreuzung oder wegen der konkreten Verkehrslage hintereinander abbiegen, ist das parallele Manöver nicht angebracht.

Das kann zum Beispiel bei einer sehr engen Einmündung, einer ausgeprägten Mittelinsel oder einer unübersichtlichen Kurve der Fall sein. Auch wenn ein wartendes Fahrzeug die Sicht auf Fußgänger, Radfahrende oder weiteren Gegenverkehr verdeckt, sollte man nicht voreinander abbiegen.

Manchmal weisen Fahrbahnmarkierungen oder bauliche Leitlinien die Fahrzeuge eindeutig. Dann haben diese Vorgaben Vorrang vor der gewohnten Fahrlinie. Fehlen klare Markierungen, entscheidet die sichere und übersichtliche Durchführung des Abbiegevorgangs.

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Ein typisches Beispiel

Auf einer breiten Kreuzung mit zwei deutlich getrennten Linksabbiegespuren können sich die Fahrzeuge meist problemlos voreinander bewegen. An einer schmalen Altstadtkreuzung mit parkenden Autos und schlechter Sicht ist dagegen das Abbiegen hintereinander oft die bessere Lösung.

Ich würde in solchen Situationen nie versuchen, eine vermeintliche Regel mit Gewalt durchzusetzen. Die StVO verlangt kein riskantes Durchsetzen der Standardbewegung. Sie verlangt, dass der Abbiegevorgang andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet.

Die häufigsten Fehler beim Linksabbiegen

Viele kritische Situationen entstehen nicht durch fehlendes Wissen, sondern durch falsche Einschätzung von Abstand und Geschwindigkeit. Der entgegenkommende Wagen wirkt weit entfernt, erreicht die Kreuzung aber schneller als erwartet. Besonders Motorräder und Fahrräder werden dabei leicht übersehen.

  • Zu frühes Einschwenken: Das Fahrzeug schneidet die Kurve und gerät auf die falsche Seite.
  • Blindes Vertrauen auf den anderen: Beide Fahrer beginnen gleichzeitig, obwohl die Fahrlinien nicht eindeutig sind.
  • Übersehener Geradeausverkehr: Der Blinker des Gegenübers wird fälschlich als Freigabe verstanden.
  • Fehlender Schulterblick: Beim Einordnen oder Abbiegen wird der nachfolgende Radverkehr nicht erkannt.
  • Zu hohe Geschwindigkeit: Dadurch bleibt keine Zeit, auf Fußgänger oder eine unklare Situation zu reagieren.

Ein eingeschalteter Blinker ersetzt keine Vorrangprüfung. Er zeigt nur an, was jemand vorhat. Ob der Abbiegevorgang tatsächlich möglich ist, entscheidet die Verkehrslage.

Radverkehr, Fußgänger und Straßenbahn nicht aus dem Blick verlieren

Beim Abbiegen entsteht die größte Gefahr häufig nicht zwischen den beiden Autos, sondern seitlich neben dem abbiegenden Fahrzeug. Radfahrende können auf einem Radfahrstreifen oder neben der Fahrbahn geradeaus weiterfahren, während das Auto ihren Weg kreuzt. Deshalb muss der Abbieger mehrfach und gezielt nach rechts beziehungsweise links schauen.

Auch zu Fuß Gehende dürfen beim Abbiegen nicht gefährdet werden. Wenn Menschen die Straße überqueren, in die eingebogen wird, ist nötigenfalls zu warten. Die gleiche Vorsicht gilt für Elektrokleinstfahrzeuge und, je nach Führung, für Fahrräder auf querenden oder parallel verlaufenden Verkehrswegen.

Straßenbahnen verdienen zusätzliche Aufmerksamkeit. Schienenfahrzeuge können durch ihre Spurführung und den längeren Bremsweg anders reagieren als Pkw. Wer sich zum Linksabbiegen auf oder neben Gleise einordnet, darf eine Straßenbahn nicht behindern.

Der kurze Kreuzungscheck für eine sichere Entscheidung

Ich nutze an unübersichtlichen Kreuzungen eine einfache Reihenfolge. Zuerst prüfe ich die Ampel oder Vorfahrt, dann den Gegenverkehr, danach die seitlichen Querungen und erst am Ende die genaue Fahrlinie. Dieser kurze Check dauert kaum länger als ein Atemzug, verhindert aber viele Fehlentscheidungen.

  • Ist mein Abbiegen durch Ampel, Verkehrszeichen und Fahrbahnmarkierung erlaubt?
  • Fährt mir jemand geradeaus entgegen oder biegt rechts ab?
  • Kann ich die andere Linksabbiegespur vollständig überblicken?
  • Queren Radfahrende oder Fußgänger meinen Weg?
  • Passt die Kreuzung für das parallele Abbiegen oder muss ich hinter dem anderen Fahrzeug bleiben?

Die wichtigste praktische Regel lautet für mich deshalb: Voreinander abbiegen ist der Normalfall, aber Sicherheit entscheidet über die konkrete Ausführung. Wer langsam fährt, klar blinkt, den Gegenverkehr durchlässt und Querungen aufmerksam beobachtet, kommt auch an komplizierten Kreuzungen sicher ans Ziel.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Das Material wurde mit Unterstützung moderner Analyse- und Sprachwerkzeuge (KI) erstellt. Konsultieren Sie vor einer Entscheidung einen Experten.

Häufig gestellte Fragen

Nach § 9 Absatz 4 StVO sollen die Fahrzeuge grundsätzlich so abbiegen, dass ihre linken Seiten aneinander vorbeiführen. Sie fahren in einem weiten, leicht diagonalen Bogen und ordnen sich danach in der rechten Fahrspur der neuen Straße ein.
Der Linksabbieger muss den entgegenkommenden Geradeausverkehr und das entgegenkommende rechts abbiegende Fahrzeug zuerst durchfahren lassen. Der Blinker des anderen Fahrzeugs ersetzt keine Prüfung des Vorrangs.
Das ist erforderlich, wenn die Kreuzung oder die Verkehrslage das parallele Abbiegen nicht sicher zulässt. Beispiele sind eine enge Einmündung, eine ausgeprägte Mittelinsel, eine unübersichtliche Kurve oder eine verdeckte Sicht auf Fußgänger und Radfahrende. Fahrbahnmarkierungen und bauliche Leitlinien sind ebenfalls zu beachten.
Radfahrende und zu Fuß Gehende dürfen beim Abbiegen nicht gefährdet oder unnötig behindert werden. Deshalb sind seitliche Querungen und der nachfolgende Radverkehr mehrfach zu prüfen. Straßenbahnen dürfen beim Einordnen auf oder neben Gleisen nicht behindert werden.
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Autor Uli Hohmann
Uli Hohmann
Mein Name ist Uli Hohmann und seit 14 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit den Themen Mobilität, Fahrzeugen, Infrastruktur und Verkehr. Diese lange Zeit hat mir nicht nur ein tiefes Verständnis für die Komplexität moderner Mobilitätskonzepte vermittelt, sondern auch meine Leidenschaft für die Art und Weise geweckt, wie wir uns fortbewegen und wie unsere Städte und Straßen gestaltet sind. Ich schreibe gerne über die neuesten Entwicklungen bei Fahrzeugtechnologien, die Herausforderungen beim Ausbau unserer Infrastruktur und die vielfältigen Aspekte des Verkehrsgeschehens. Dabei ist es mir wichtig, auch komplexe Sachverhalte verständlich aufzubereiten, Informationen sorgfältig zu prüfen und Trends klar darzustellen, damit Sie stets über die relevanten Entwicklungen informiert sind. Mein Ziel ist es, Ihnen nützliche und nachvollziehbare Einblicke in die Welt der Mobilität zu geben.
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