Beim Kauf eines gebrauchten Autos entscheidet ein kleiner Eintrag in der Zulassungsbescheinigung über Umweltplakette, mögliche Fahrverbote und teilweise auch die Kfz-Steuer. Ich zeige, wo die Schadstoffklasse im Fahrzeugschein steht, wie sich der Code in Feld 14.1 lesen lässt und was bei Zulassung, Nachrüstung oder einem Import wichtig ist.
Die Schadstoffklasse lässt sich mit wenigen Angaben sicher prüfen
- Feld 14.1 der Zulassungsbescheinigung Teil I enthält den maßgeblichen Emissionsschlüssel.
- Bei älteren Fahrzeugscheinen steht die Nummer unter „Schlüsselnummer zu 1“.
- Die Umweltplakette ist nicht identisch mit der Euro-Abgasnorm.
- Für die genaue Einstufung muss der Code mit einer amtlichen Zuordnungstabelle verglichen werden.
- Ein Partikelfilter kann die Plakette verbessern, ändert aber nicht automatisch die Euro-Norm.
Die richtige Stelle im Fahrzeugschein finden
Der umgangssprachliche Fahrzeugschein heißt heute Zulassungsbescheinigung Teil I. Bei Dokumenten, die ab dem 1. Oktober 2005 ausgestellt wurden, findest du die Angaben zur Abgasstufe in den Feldern 14 und 14.1.
Feld 14 beschreibt die nationale Emissionsklasse im Klartext. In Feld 14.1 steht der zugehörige Code. Entscheidend sind in der Regel die rechten beiden Stellen dieses Codes. Sie bilden die Emissionsschlüsselnummer, mit der sich die Euro-Einstufung bestimmen lässt.
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Alte und neue Fahrzeugpapiere unterscheiden
| Dokument | Wo steht der Emissionsschlüssel? |
|---|---|
| Zulassungsbescheinigung Teil I | Feld 14.1, rechte beiden Stellen |
| Alter Fahrzeugschein | „Schlüsselnummer zu 1“, fünfte und sechste Stelle |
Ich würde mich nicht an der Position auf dem Papier orientieren, sondern zuerst prüfen, welches Dokument vorliegt. Viele Missverständnisse entstehen, weil jemand im neuen Schein nach der alten sechsstelligen Schlüsselnummer sucht oder beim alten Papier versehentlich die HSN und TSN abliest.
Die Emissionsschlüsselnummer richtig entschlüsseln
Die Nummer in Feld 14.1 ist kein frei lesbarer Text wie „Euro 5“. Sie muss einer Zuordnung zugeordnet werden. Dafür wird der Code mit einer Emissionsschlüssel-Tabelle des Zolls, einer Prüforganisation oder einer anerkannten Fachstelle verglichen.
- Notiere die letzten beiden Stellen aus Feld 14.1 vollständig.
- Prüfe, ob es sich um einen Pkw, ein Wohnmobil, einen Lkw oder ein anderes Fahrzeug handelt.
- Vergleiche den Code mit der passenden Tabelle für Benziner, Diesel oder Nutzfahrzeuge.
- Übertrage erst danach das Ergebnis, zum Beispiel Euro 4, Euro 5 oder Euro 6.
Bei neueren Fahrzeugen können Buchstaben im Code vorkommen. Deshalb sollte man nicht nur auf die erste Zahlengruppe schauen. Ein Code, der mit 35 oder 36 beginnt, lässt sich ohne die restlichen Zeichen nicht immer zuverlässig einordnen.
| Feld | Bedeutung | Wofür es wichtig ist |
|---|---|---|
| 14 | Nationale Emissionsklasse | Klartext und ergänzende Einstufung |
| 14.1 | Emissionsschlüssel | Ermittlung der Euro-Norm und Schadstoffgruppe |
| V.9 | Schadstoffklasse für die EG-Typgenehmigung | Technische Ergänzung zur Genehmigung |
| V.7 | CO₂-Ausstoß in g/km | Wichtiger Bestandteil der Kfz-Steuer |
Die Felder 2.1 und 2.2 sind dagegen HSN und TSN. Sie identifizieren Hersteller und Fahrzeugtyp, ersetzen aber nicht den Emissionsschlüssel.
Schadstoffklasse, Umweltplakette und Fahrverbot sind nicht dasselbe
Die Euro-Norm beschreibt die Abgasstufe des Fahrzeugs. Die Zahl auf der Umweltplakette beschreibt dagegen die Schadstoffgruppe für Umweltzonen. Beide Angaben hängen zusammen, sind aber nicht identisch.
| Fahrzeugtyp und Einstufung | Typische Plakette |
|---|---|
| Ältere Diesel mit Euro 1 oder schlechter | Keine Plakette |
| Diesel mit Euro 2 | Rot, je nach Nachrüstung auch abweichend |
| Diesel mit Euro 3 | Gelb, bei zugelassener Nachrüstung möglicherweise grün |
| Diesel mit Euro 4, Euro 5 oder Euro 6 | In der Regel grün |
| Benziner ab Euro 1 mit geregeltem Katalysator | In der Regel grün |
| Elektrofahrzeuge | Grün |
Ein Diesel mit Euro 5 erhält also normalerweise eine grüne Plakette. Daraus folgt aber nicht, dass er überall fahren darf. Örtliche Durchfahrtsverbote können zusätzlich gelten, besonders für ältere Dieselmodelle.
Wer ohne erforderliche Plakette in eine Umweltzone einfährt, muss mit einem Bußgeld von 100 Euro rechnen. Die Umweltplakette kostet bei vielen Zulassungsstellen ungefähr 6 Euro, bei Online-Bestellungen kommen meist Versand- und Prüfkosten hinzu.
Welche Folgen die Einstufung für Steuer und Zulassung hat
Die Schadstoffklasse ist für die Zulassung wichtig, aber sie bestimmt bei einem modernen Pkw nicht allein die Jahressteuer. Entscheidend sind auch Hubraum, Kraftstoffart, Erstzulassungsdatum und CO₂-Wert.
Für Pkw mit Erstzulassung ab dem 1. Januar 2021 gelten beim Grundbetrag derzeit 2 Euro je angefangene 100 cm³ für Benziner und 9,50 Euro je angefangene 100 cm³ für Diesel. Hinzu kommt ein CO₂-Anteil für den Ausstoß über 95 g/km. Dieser reicht je nach Stufe von 2 Euro bis 4 Euro pro Gramm und Kilometer.
| CO₂-Bereich über 95 g/km | Steuersatz je g/km |
|---|---|
| 95 bis 115 g/km | 2,00 Euro |
| Über 115 bis 135 g/km | 2,20 Euro |
| Über 135 bis 155 g/km | 2,50 Euro |
| Über 155 bis 175 g/km | 2,90 Euro |
| Über 175 bis 195 g/km | 3,40 Euro |
| Über 195 g/km | 4,00 Euro |
Bei älteren Fahrzeugen spielt die Emissionsklasse für die Steuerberechnung stärker direkt hinein. Für eine zuverlässige Berechnung reicht deshalb weder die Angabe „Diesel“ noch die Zahl auf der Umweltplakette. Ich prüfe immer den Steuerbescheid oder nutze die Daten aus Feld P.1, P.3, V.7 und 14.1 gemeinsam.
Bei einer Ummeldung, einem Import oder der Erstzulassung eines Fahrzeugs können zusätzlich die Übereinstimmungsbescheinigung, technische Daten und Abgasnachweise verlangt werden. Die Zulassungsstelle übernimmt keine unklaren Angaben einfach aus einer Verkaufsanzeige.
Was tun, wenn der Eintrag fehlt oder nicht plausibel ist
Fehlt Feld 14.1 oder passt der Eintrag nicht zu den technischen Unterlagen, sollte das Fahrzeug nicht eigenständig umgeschlüsselt werden. Zuständig sind je nach Fall die Zulassungsbehörde, der Hersteller, der Importeur oder eine technische Prüforganisation.
- Prüfe zunächst Feld 14, Feld 22 und vorhandene Zusatzvermerke.
- Suche die originale COC-Bescheinigung, also die europäische Übereinstimmungsbescheinigung.
- Lass die Einstufung bei TÜV, DEKRA, GTÜ oder einer vergleichbaren Stelle bestätigen.
- Reiche Nachweise über eine genehmigte Nachrüstung bei der Zulassungsstelle ein.
Ein nachgerüsteter Dieselpartikelfilter kann die Zuordnung zur Schadstoffgruppe und damit die Umweltplakette verbessern. Er verändert jedoch nicht automatisch die eingetragene Euro-Abgasnorm. Dafür ist eine anerkannte technische Änderung mit den erforderlichen Papieren nötig.
Bei importierten Fahrzeugen ist besondere Vorsicht angebracht. Ausländische Abgasangaben lassen sich nicht immer direkt in den deutschen Emissionsschlüssel übertragen. Eine deutsche Zulassung kann deshalb zusätzliche technische Nachweise verlangen.
Beim Autokauf zählt der Eintrag mehr als ein Werbeversprechen
Die Aussage „Euro 6“ in einer Anzeige ist ein guter erster Hinweis, aber noch kein Beleg. Ich würde mir vor dem Kauf ein Foto der Zulassungsbescheinigung Teil I und, wenn vorhanden, der COC-Bescheinigung schicken lassen.
- Stimmt die Angabe in Feld 14 oder 14.1 mit der Anzeige überein?
- Ist das Fahrzeug ein Diesel, Benziner, Hybrid oder Gasfahrzeug?
- Welche Erstzulassung und welcher CO₂-Wert sind eingetragen?
- Gibt es Nachrüstungen oder Hinweise in Feld 22?
- Brauchst du das Fahrzeug regelmäßig für eine bestimmte Umweltzone oder Innenstadt?
Bei Euro 6 lohnt sich außerdem ein Blick auf die genaue Unterstufe wie Euro 6b, 6c oder 6d. Diese Details stehen nicht immer so übersichtlich im Fahrzeugschein wie die allgemeine Klasse, können bei der Bewertung eines gebrauchten Dieselautos aber einen Unterschied machen.
Die kleine Prüfung vor dem Termin bei der Zulassungsstelle
Notiere die Emissionsschlüsselnummer aus Feld 14.1, gleiche sie mit einer zuverlässigen Tabelle ab und prüfe anschließend Umweltplakette, Steuer und mögliche lokale Einschränkungen. Damit hast du die drei Punkte beisammen, die bei der Fahrzeugzulassung am häufigsten verwechselt werden.
Wenn der Code unklar ist, ist eine kurze Rückfrage bei der Zulassungsstelle oder einer Prüforganisation günstiger als eine falsche Eintragung. Der Fahrzeugschein liefert den Schlüssel, die offizielle Zuordnung liefert die richtige Schadstoffklasse.