ICE L erklärt - Einstieg, Strecken und Buchungstipps

Uli Hohmann .

5. Juli 2026

Tür eines ICE 1 Zuges mit der Wagennummer 2 und dem Hinweis auf Barrierefreiheit.

Wer mit Rollstuhl, Kinderwagen oder viel Gepäck reist, merkt schnell, dass ein moderner Fernzug mehr können muss als nur schnell zu fahren. Der neue ICE L verbindet stufenlosen Einstieg, großzügige Kapazität und flexible Einsatzmöglichkeiten auf deutschen und später auch internationalen Strecken. Ich zeige, was hinter dem Konzept steckt, wo der Zug 2026 eingesetzt wird und worauf Reisende bei der Buchung achten sollten.

Das Wichtigste zum neuen Fernverkehrszug auf einen Blick

  • „L“ steht für Low Floor und verweist auf den Niederflureinstieg.
  • Eine Garnitur bietet 562 Sitzplätze in 17 Wagen.
  • Der Zug erreicht bis zu 230 km/h und wird von Lokomotiven gezogen.
  • 2026 fährt er unter anderem nach Westerland auf Sylt und Oberstdorf.
  • Zur Ausstattung gehören WLAN, Bordgastronomie, Fahrradplätze und Familienbereiche.

Was der ICE L eigentlich ist

Der ICE L ist ein lokbespannter Fernverkehrszug des spanischen Herstellers Talgo. Anders als ICE 3 oder ICE 4 besitzt er keinen durchgehend angetriebenen Zugverband, sondern besteht aus einer Lokomotive, 17 Reisezugwagen und einem Steuerwagen. Das macht ihn technisch eher zu einem modernen Wendezug mit ICE-Komfort als zu einem klassischen Triebzug.

Das „L“ steht für Low Floor, also Niederflur. Gemeint ist ein Einstieg auf Bahnsteighöhe, sofern die örtlichen Bahnsteig- und Infrastrukturbedingungen dafür passen. Nach Angaben der Deutschen Bahn ist der Zug zunächst als Ersatz für ältere Intercity-Wagen vorgesehen und soll vor allem direkte Verbindungen in touristische Regionen sowie internationale Relationen stärken.

Mit einer Länge von rund 256 Metern und einem Leergewicht von etwa 403 Tonnen ist die Garnitur kein kleiner Spezialzug. Sie bietet 85 Plätze in der ersten und 477 Plätze in der zweiten Klasse. Für die Praxis bedeutet das eine hohe Sitzplatzkapazität, aber auch einen langen Zug, der nicht an jedem Bahnsteig vollständig in den nutzbaren Bereich passt.

Warum der Einstieg den größten Unterschied macht

Moderner weißer ICE-Zug mit roten Streifen fährt auf Gleisen.

Der auffälligste Vorteil liegt nicht bei der Höchstgeschwindigkeit, sondern am Bahnsteig. Durch die niveauarme Konstruktion können Reisende an geeigneten Stationen ohne Stufen in den Zug gelangen. Das hilft Menschen mit Rollstuhl ebenso wie Familien mit Kinderwagen, älteren Fahrgästen und Personen mit schwerem Gepäck.

Technisch nutzt Talgo sogenannte Einzelradfahrwerke. Dabei sitzen die Räder nicht in klassischen Drehgestellen zwischen den Wagen, sondern sind konstruktiv anders unter dem Wagenkasten angeordnet. Dadurch kann der Fußboden niedriger liegen. Zusätzlich sinken Gewicht und Rollwiderstand, was sich positiv auf Energieverbrauch und Laufruhe auswirken kann.

Ganz automatisch ist der ICE L trotzdem nicht an jeder Station vollständig barrierefrei. Entscheidend bleiben die Bahnsteighöhe, der Spalt zur Tür und die örtlichen Zugangswege. Ich würde deshalb bei einer Reise mit Rollstuhl oder Mobilitätshilfe nicht nur auf das Zugmodell schauen, sondern die konkrete Verbindung und die notwendige Ein- und Ausstiegshilfe frühzeitig prüfen.

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Barrierefreiheit im Innenraum

Im Zug gibt es drei Rollstuhlplätze mit elektrisch höhenverstellbaren Tischen. Das ist mehr als eine symbolische Lösung, denn ein geeigneter Stellplatz muss nicht nur erreichbar sein, sondern auch genügend Bewegungsfläche und eine nutzbare Tischhöhe bieten. Die Toiletten und Durchgänge sind ebenfalls auf die Anforderungen eines modernen Fernverkehrszugs ausgerichtet.

Für Familien stehen ein abgetrennter Kleinkindbereich mit Spielfläche, 46 Plätze im Familienbereich und neun zusätzliche Plätze im Kleinkindabteil zur Verfügung. Außerdem gibt es vier Kinderwagenstellplätze. Aus meiner Sicht ist diese Trennung sinnvoll, weil sie Familien mehr Raum gibt, ohne den gesamten Wagen zum Familienbereich zu machen.

Wo der Zug 2026 eingesetzt wird

Der planmäßige Einsatz begann Ende 2025 zunächst auf der Verbindung Berlin-Köln. Im Mai 2026 kam die touristische Strecke Berlin über Hamburg nach Westerland hinzu. Seit Juli werden weitere Verbindungen bedient, darunter Relationen von Frankfurt über Gießen und von Köln über Münster nach Westerland sowie die Verbindung von Dortmund nach Oberstdorf.

Verbindung Besonderheit Praktischer Nutzen
Berlin-Köln Früher Inlandseinsatz Direkte Verbindung zwischen wichtigen Metropolregionen
Berlin-Hamburg-Westerland Touristische Fernverkehrsstrecke Direkte Anreise nach Sylt ohne Umstieg
Köln-Münster-Westerland Norddeutsche Ferienrelation Interessant für Reisende aus Nordrhein-Westfalen
Dortmund-Oberstdorf Verbindung in eine Alpenregion Direkte Anreise ins Allgäu

Geplant sind außerdem internationale Einsätze nach Amsterdam, Kopenhagen und Wien. Solche Verbindungen hängen nicht allein vom Fahrzeug ab. Mehrsystemtechnik, Zulassungen, Zugbeeinflussung, Bahnsteige und die Abstimmung mit den ausländischen Infrastrukturbetreibern müssen zusammenpassen. Deshalb kann sich der Start einzelner Relationen verschieben.

Für Reisende zählt am Ende der konkrete Fahrplan, nicht die ursprüngliche Planung. Ich empfehle, bei der Buchung auf die angezeigte Zugnummer und die tatsächliche Ausstattung zu achten. Gerade in der Einführungsphase können Fahrzeuge wegen Wartung, Zulassung oder betrieblicher Engpässe durch andere Züge ersetzt werden.

Welche Ausstattung Reisende erwarten können

Der Innenraum ist auf längere Fahrten ausgelegt und bietet WLAN, ein Bordrestaurant beziehungsweise Bordbistro sowie ein modernes Fahrgastinformationssystem. An den Sitzplätzen gibt es Halterungen für Smartphones und Tablets. Das klingt unspektakulär, macht aber auf einer vier- oder fünfstündigen Fahrt einen deutlichen Unterschied.

Mit acht Fahrradstellplätzen richtet sich der Zug auch an Reisende, die Bahn und Fahrrad kombinieren möchten. Hier liegt allerdings ein typischer Stolperstein: Ein Fahrradplatz muss reserviert werden und ist nicht mit einem normalen Sitzplatz gleichzusetzen. Wer spontan mit dem Rad einsteigen möchte, riskiert trotz gültiger Fahrkarte die Zurückweisung.

Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 230 km/h. Das ist für deutsche Fernverkehrsstrecken ausreichend, auch wenn der ICE 4 nominal schneller fahren kann. Entscheidend für die Reisezeit sind jedoch häufig Baustellen, Knotenbahnhöfe, Mischverkehr mit Güterzügen und die verfügbare Streckengeschwindigkeit. Ein Zug mit 230 km/h fährt deshalb nicht automatisch schneller als ein anderer mit höherer technischer Maximalgeschwindigkeit.

Wie sich der ICE L von anderen Fernzügen unterscheidet

Die Bezeichnung ICE sorgt bei manchen Fahrgästen für die Erwartung eines besonders schnellen Triebzugs. Beim ICE L liegt der Schwerpunkt aus meiner Sicht jedoch auf Zugänglichkeit und flexibler Streckenplanung. Er soll Fernverkehr auch dort attraktiv machen, wo klassische Hochgeschwindigkeitszüge nicht die beste Lösung sind.

Kriterium ICE L ICE 4 Intercity 1
Antrieb Lokbespannter Wendezug Triebzug Lokbespannter Wagenzug
Höchstgeschwindigkeit Bis zu 230 km/h Bis zu 250 km/h Bis zu 200 km/h
Einstieg Niederflur, abhängig vom Bahnsteig Höher und je nach Bahnsteig unterschiedlich Stufen an vielen Wagen
Kapazität 562 Sitzplätze Je nach Variante unterschiedlich Deutlich abhängig von der Wagenreihung
Besonderheit Barrierearmer Zugang und touristische Linien Hohe Kapazität und schneller Triebzugbetrieb Bewährtes, aber älteres Wagenkonzept

Der lokbespannte Aufbau hat einen praktischen Vorteil. Mit einer geeigneten Lokomotive kann derselbe Wagenzug auf unterschiedlichen Strecken eingesetzt werden. Für nicht elektrifizierte Abschnitte sind zudem Zweikraftlokomotiven vorgesehen, die zwischen elektrischem Betrieb und Dieselantrieb wechseln können. Damit lassen sich einzelne Ziele erreichen, ohne dass Reisende auf einen zusätzlichen Umstieg angewiesen sind.

Der Nachteil liegt in der betrieblichen Komplexität. Die passende Lokomotive, die Zulassung und die technische Kompatibilität müssen überall gewährleistet sein. Ein moderner Wagenzug ist daher nicht automatisch störungsfreier als ein Triebzug. Gerade in der Einführungsphase können Ersatzfahrzeuge und abweichende Zugkonfigurationen vorkommen.

Was Reisende bei der Planung beachten sollten

Wer den neuen Zug gezielt nutzen möchte, sollte zuerst prüfen, ob er auf der eigenen Verbindung tatsächlich eingeplant ist. Die Fahrplananzeige nennt das Fahrzeug nicht immer so prominent wie die Zugnummer. Für Familien, Radreisende und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sind außerdem die Reservierung des passenden Bereichs und die frühzeitige Anmeldung von Hilfe wichtiger als die bloße Wahl der ersten oder zweiten Klasse.

  • Bei Rollstuhl oder Mobilitätshilfe die Bahnsteig- und Einstiegssituation vorab klären.
  • Fahrradplätze möglichst direkt bei der Buchung reservieren.
  • Bei Familienfahrten den Familien- oder Kleinkindbereich auswählen.
  • Bei internationalen Reisen die jeweils gültigen Zulassungs- und Fahrplanbedingungen prüfen.
  • Bei der ersten Betriebsphase mit möglichen Fahrzeugwechseln rechnen.

Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, dass die ICE-Bezeichnung eine bestimmte Sitzplatzgarantie oder eine immer gleiche Innenausstattung bedeutet. In der Praxis kann es bei Fahrzeugwechseln zu Abweichungen kommen. Wer auf einen stufenlosen Einstieg oder einen Fahrradstellplatz angewiesen ist, sollte die Verbindung deshalb nicht erst am Reisetag kontrollieren.

Warum der ICE L für den deutschen Verkehr wichtig ist

Der neue Zug ist mehr als ein weiteres Modell in der ICE-Flotte. Er zeigt, wohin sich der Fernverkehr entwickeln muss: barriereärmer, vielseitiger und besser an touristische Ziele angebunden. Gerade auf Strecken mit wechselnden elektrischen und nicht elektrifizierten Abschnitten kann die Kombination aus Talgo-Wagen und flexiblen Lokomotiven interessant sein.

Ich sehe den größten Nutzen dort, wo heute mehrere Nachteile zusammenkommen: lange Umwege, ältere Wagen, fehlende Direktverbindungen und schwierige Einstiege. Der ICE L löst nicht jedes Problem der deutschen Schieneninfrastruktur, kann aber an den richtigen Linien spürbar mehr Komfort und Zugänglichkeit schaffen.

Für Fahrgäste lautet die nüchterne Einschätzung deshalb: Der ICE L ist kein Zug, der jede Reise automatisch schneller macht. Er ist ein moderner, kapazitätsstarker und zugänglicher Fernverkehrszug, dessen Stärke besonders auf direkten Regional- und Tourismusverbindungen sichtbar wird. Entscheidend bleibt, ob Infrastruktur, Fahrplan und Fahrzeug im Alltag zuverlässig zusammenspielen.

Häufig gestellte Fragen

Das „L“ steht für „Low Floor“ und bezeichnet den Niederflureinstieg. Stufenlos ist der Zugang an geeigneten Bahnhöfen, wenn Bahnsteighöhe, Türspalt und Zugangswege passen. Reisende mit Rollstuhl oder Mobilitätshilfe sollten diese Bedingungen sowie eine notwendige Einstiegshilfe vorab prüfen.
Eine Garnitur mit 17 Wagen bietet 562 Sitzplätze, davon 85 in der ersten und 477 in der zweiten Klasse. Zusätzlich gibt es drei Rollstuhlplätze, vier Kinderwagenstellplätze, acht Fahrradstellplätze sowie Familien- und Kleinkindbereiche. Fahrradplätze müssen reserviert werden und sind nicht durch eine normale Sitzplatzreservierung abgedeckt.
Der Zug fährt unter anderem auf den Relationen Berlin-Köln, Berlin-Hamburg-Westerland, Köln-Münster-Westerland und Dortmund-Oberstdorf. Geplant sind außerdem internationale Verbindungen nach Amsterdam, Kopenhagen und Wien. Für die tatsächliche Fahrt sollten Reisende den aktuellen Fahrplan, die Zugnummer und die angezeigte Ausstattung prüfen.
Menschen mit Rollstuhl oder Mobilitätshilfe sollten die Bahnsteig- und Einstiegssituation frühzeitig klären und benötigte Hilfe anmelden. Familien können den Familien- oder Kleinkindbereich auswählen, während Radreisende einen Fahrradstellplatz reservieren müssen. Wegen möglicher Fahrzeugwechsel in der Einführungsphase kann die Ausstattung am Reisetag von der ursprünglichen Planung abweichen.
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Autor Uli Hohmann
Uli Hohmann
Mein Name ist Uli Hohmann und seit 14 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit den Themen Mobilität, Fahrzeugen, Infrastruktur und Verkehr. Diese lange Zeit hat mir nicht nur ein tiefes Verständnis für die Komplexität moderner Mobilitätskonzepte vermittelt, sondern auch meine Leidenschaft für die Art und Weise geweckt, wie wir uns fortbewegen und wie unsere Städte und Straßen gestaltet sind. Ich schreibe gerne über die neuesten Entwicklungen bei Fahrzeugtechnologien, die Herausforderungen beim Ausbau unserer Infrastruktur und die vielfältigen Aspekte des Verkehrsgeschehens. Dabei ist es mir wichtig, auch komplexe Sachverhalte verständlich aufzubereiten, Informationen sorgfältig zu prüfen und Trends klar darzustellen, damit Sie stets über die relevanten Entwicklungen informiert sind. Mein Ziel ist es, Ihnen nützliche und nachvollziehbare Einblicke in die Welt der Mobilität zu geben.
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